Eine Heldenreise

Ein erster Sturz – nicht der, bei dem man nach seinem Schnuller weint, nein. Ein erster richtiger, der in meinem kleinen Herzen schmerzt. Ausgegrenzt zu werden verlangt die Stärke, sich zu wehren. Sich selbst zu lieben, und über die fiesen Handlungen der anderen hinwegzusehen. Jemanden, der an Dich glaubt und dir das Gefühl gibt, du bist absolut richtig so. Ich laufe weiter, mit einem angeschlagenen Knie, aber immer noch voll mit Energie. 

Eine nächste Hürde erwartet mich, meine Beine werden schwach, ich kann mich immer noch nicht wehren. Ich falle wieder hin. Diesmal tut es nicht nur im Herzen weh. Ich kann nicht mehr mit Stolz in den Spiegel schauen. Man hat mich gebrochen, und meine Armee ist hilflos. Also glaube ich die Geschichten, die ich mir über mich selbst erzähle. Liebevoll sind sie nur selten. Ich verliere mein kleines Licht und passe mich an, um nicht aufzufallen. Wieder weiß ich nicht, wie man sich selbst die Liebe gibt, die einem so sehr fehlt. Einsamkeit nistet sich in mir ein, die ich nicht umwandle in Mitgefühl – ich weiß nicht wie.

Eine neue Lektion tut sich auf. Was spüre ich und was bin ich mir wert? Ich übergehe auch diesen Hinweis des Lebens, einmal auf mich selbst zu schauen. Stattdessen klammere ich mich an die einzige Liebe, die ich kenne. Lange bin ich Teil des Theaters, doch eines Tages wache ich auf. Ich bin mehr wert als das, endlich habe ich es verstanden. Ich ziehe weiter und spüre die Sehnsucht nach Freiheit erst, als ich schon mittendrin bin. Nun bin ich auf mich gestellt, keine Umstände mehr lenken mich ab. Vielleicht bin ich jetzt bereit, denkt sich das Universum. Um mich zu testen bekomme ich eine kleine Aufgabe, die ich überfliege und dann zur Seite lege – zu schwer ist sie für mein kleines Herz. 

Trotzdem gelingt es mir, einen Teil von mir wiederzufinden. Ich kann mich wieder im Spiegel betrachten und sogar ein bisschen stolz sein. Wow. Das erste Mal in meinem Leben bin ich mir selbst genug und einfach nur zufrieden. Was ein Gefühl! Mit diesem Schwung tanze ich durchs Leben, immer noch einsam und insgeheim immer noch auf der Suche nach echter, ehrlicher Liebe. Oft falle ich hin, meine Knie äußerlich heil. Nur innerlich, da schmerzen meine Narben. Mit einem neuen Lebensabschnitt folgt neue Energie, und je mehr ich erkenne, dass ich einmal mehr nicht die Liebe gefunden habe, sondern etwas anderes, schwindet meine Kraft. Ich bin mir etwas wert, das ist es nicht, aber die Vergangenheit ruft mich. Ich kämpfe dagegen an, immer wieder, doch eines Tages gewinnt sie und ich erkenne, dass ich diesen Weg allein gehen muss. 

Dann, auf meinem langsamen Weg der Genesung, entscheide ich mich, heute mal rechts abzubiegen, nicht links. Ich spüre Gleichgültigkeit in mir: was soll ein neuer Weg schon an meiner Geschichte ändern?

Wie ich dort mit meinem einsamen Herzen, ganz frei von Erwartungen und voll mit Enttäuschungen, meinen Weg entlanggehe, treffe ich einen Fremden. Ich habe nichts zu verlieren, das Leben hat sowieso andere Pläne mit mir, bald lasse ich meine Heimat für eine Weile hinter mir. Ich kann mein Glück nicht fassen, endlich fühle ich das, was ich mir so lange gewünscht habe.

Ich wache auf. Es ist düster. Entfernt sehe ich ein helles Licht, es kommt mir irgendwie vertraut vor. Ich erinnere mich an eine glücklichere Zeit, doch die Dunkelheit zieht mich immer wieder zurück. Manchmal schaffe ich es für ein paar Stunden, ihr zu entkommen, doch sie ist zu stark. Ich schlafe ein, denn dann tut es nicht mehr so weh…


Als ich aufwache spüre ich, dass sich die Umgebung verändert hat und ich allein bin. Ich liege auf einem harten Boden und bin nur mit einem Tuch bekleidet. Es dauert eine Weile bis ich erkennen kann, wie mich eine schöne junge Frau immer wieder pflegt. Wir freunden uns an und sie wird mir eine ständige Begleiterin. Als ich mich besser fühle, stehe ich auf und gehe meinen Weg allein. Ab und zu treffen wir uns, aber manchmal sieht sie traurig aus und nimmt sich hart ins Gericht. Je öfter wir uns treffen, desto mehr hat sie diese Stimmung. Wenn wir gemeinsam etwas unternehmen scheint sie aufzublühen, beachtet mich aber nicht. Es macht mich traurig. Manchmal nimmt sie mich an die Hand, vor allem wenn sie sieht, wie traurig ich bin. Ich verzeihe ihr, kann meine Tränen aber nicht zurückhalten. Ich versuche mit ihr zu sprechen, doch sie will von all dem nichts hören. Ich bin verwirrt – ich dachte wir sind wieder ein Team? Der Ärger in mir kocht hoch und ich kann nicht anders: ich lasse sie auflaufen. Sehe, wie weh es ihr tut, und dass sie nicht weiß wie ihr geschieht. Doch es muss sein, sie MUSS aufwachen. Wenn sie mir denn zuhört versuche ich ihr die Dinge zu erklären, aber sie rutscht immer wieder ab in ihr altes Muster, kann nicht verzeihen und macht sich gleichzeitig Vorwürfe, mich im Stich gelassen zu haben. Ich verstehe nicht wovon sie redet, bis sie mir erklärt, dass wir uns schon lange kennen, ich mich aber nicht an sie erinnern kann. Ein vertrautes Gefühl kommt auf und ich erinnere mich vage. Wir lassen diese Informationen sacken und es dauert ein paar Tage, bis wir uns wiedertreffen. Wir nähern uns an, bis ich es nicht mehr aushalte und mich in ihre Arme werfe. Ich versichere ihr, dass alles okay ist, wir uns vertragen und niemand mehr böse sein muss. Ich wünsche mir nur, dass sie mich nie wieder so ignoriert wie früher, denn jetzt kann ich mich erinnern. Wir schließen einen Pakt: ab heute, wir beide gegen den Rest der Welt. 

Wir liegen auf der Wiese und malen uns die schönsten Dinge aus, und erinnern uns gegenseitig daran, dass wir gemeinsam stärker sind als wir glauben. Natürlich gibt es immer noch Momente, in denen uns alte Gefühle einholen, aber gemeinsam überwinden wir sie.

Von diesem Tag an wächst das stetige Gefühl: Wir können so viel mehr! Und jetzt, da wir langsam aber sicher alte Begrenzungen hinter uns gelassen haben, beschließen wir, anderen damit Mut zu machen. Zu zeigen, dass man nur an sich glauben muss, träumen muss, sich lieben muss, um diesen Weg zu gehen. Wir wollen andere bewahren und ihnen diese Trennung von sich selbst ersparen. Doch wie können wir das anstellen? Das ist die Frage, über welcher wir jetzt grübeln…


Ein DANKE an all die jenigen, die wir auf unserem Weg getroffen haben und die, die uns heute noch begleiten. An die, die von weitem schon so unglaublich hell strahlen, und an die, die aussehen wie ganz normale Menschen.

Danke an mein inneres Kind, dass du mich nun auf der Reise begleitest.


📷 by Alexander Mils on Unsplash

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