Der erste Monat

welche Hürden ich hier in Kanada überwinde und wie ich es schaffe, über mich hinaus zu wachsen

Ich fühle mich ja ein bisschen wie in einem Labyrinth. An jeder Ecke lauert eine neue Aufgabe, eine neue Erkenntnis, eine Angst, die nun ein Gesicht hat, ein Glaubenssatz, der mich limitiert.

Gedanken wie:

  • was, wenn mein Englisch nicht gut genug ist?
  • was, wenn ich mich nicht richtig ausdrücken kann?
  • was, wenn sie nicht verstehen warum ich mich wirklich für das Arbeitsfeld interessiere?
  • was, wenn mir nicht die richtigen Wörter einfallen, um zu zeigen, dass ich eine Bereicherung bin?

Man kann sich stundenlang mit diesem Bullshit FM beschäftigen! Ob das aber auch der richtige Radio-Sender ist?

Ich hatte beispielsweise ein Telefon-Interview und habe mir vorher unheimlich viele Gedanken gemacht. Man kann den anderen nunmal nicht sehen, nicht erkennen was er denkt, wie er schaut, wie seine Stimmung ist. Ich finde das in einer anderen Sprache schon echt schwierig. Persönlich bin ich jemand der viel gestikuliert und dessen Mimik sich öfter verselbstständigt, als mir lieb ist. Genauso hilft mir das aber auch, mein Gegenüber zu deuten. So habe ich also den Vormittag damit verbracht, mir den Kopf zu zerbrechen. Insbesondere direkt vor dem Gespräch war ich einfach nur unheimlich nervös…

„Ich bin nicht (gut) genug“

– der am weitesten verbreitete Glaubenssatz, den es gibt

Wie man sich denken kann, war das Telefongespräch nur halb so schlimm und eigentlich sogar richtig gut. Keine komischen Sprachbarrieren, Pausen oder unangenehme Verständigungsprobleme. Im Dialog mit mir selbst dachte ich: was ist das schlimmste, dass passieren kann? Ein „Nein“ wäre die Antwort, „sorry, wir haben kein Interesse“ oder „wir finden, dass das gerade nicht passt“. Und dann? Nichts. Das Leben geht weiter.

Das Universum ruft

An anderen Tagen erwarte ich gar nichts und sehe überall kleine Zeichen. Sitze nichtsahnend beim Frisör und sie erzählt dass ihr Bruder Manager einer großen, jährlichen und für mich unheimlich interessanten Konferenz hier ist. Sie bietet an, ihn wegen einem Praktikum zu fragen. „Magic moments“ heißen solche Augenblicke bei mir mittlerweile! Oder ich laufe in einen Laden, auf der Suche nach einem Nebenjob. Im Gebäude sind zwei Stores, für die ich mich interessiere. Im Ersten ist die Dame an der Theke nicht überaus freundlich und verweist mich darauf, eine E-Mail zu schicken. „Gut, was soll’s“ denke ich mir, weiter zum Nächsten. Wieder stelle ich meine Frage und erläutere kurz meine Situation – hier ist sie ganz aus dem Häuschen und erzählt mir, dass sie am selben Morgen mit ihrer Chefin über einen Ersatz gesprochen hat. Uns ist beiden vollkommen klar, dass gerade das Universum seine Finger im Spiel hat – wieder ein magic moment. Am gleichen Mittag kann ich zum Interview mit besagter Chefin kommen, die mir sogar zum Praktikum noch einen Tipp gibt: Am Ende des Flurs sitzt eine Marketingagentur. Kann das Zufall sein? So trabe ich auch dort noch hin, stelle mich vor und nehme eine Visitenkarte mit nach Hause. „Einfach mal machen“ denke ich mir noch, und bin am Abend einfach stolz auf mich.

So begegnen mir neben vielen Ängsten und Hürden auch unendlich viele wunderbare Momente, in denen ich verstehe, was ich hier lernen soll. Für mich ist dieses „sich in die Welt bringen und einfach mal alle von mir überzeugen“ oft eine echte Herausforderung. Im selben Moment sehe ich, wie sehr ich gewachsen bin in den letzten 6 Wochen. Ich sehe wie mutig ich bin, wie ich einfach aufhöre an dieses Bullshit FM zu glauben und wie ich Dinge tue, von denen ich vorher dachte, sie wären unmöglich.

Die teils unsichere, selbstkritische Vanessa mit vielen Ängsten schält sich aus ihrem Kokon –

Man kann schon ihre wunderschönen Flügel sehen.


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Danke für’s Lesen und die Zeit, die Du mir damit geschenkt hast!

Eine glückliche und vor allem stolze Vanessa!
Eine glückliche und vor allem stolze Vanessa!

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