Die Urwunde

Ich möchte heute mit Euch über meine größte Wunde sprechen. Vielleicht ist es sogar die, die mich hier her gebracht hat. Die Wunde, die mich so lange unbewusst gelenkt hat. Die mir viele meiner Symptome geschickt hat. Die mich immer wieder dazu gebracht hat, mir selbst zu beweisen, dass meine negativen Glaubenssätze „stimmen“. Die so lange so wenig greifbar war, und ich sie doch so stark gespürt habe. Ich konnte sie nicht benennen, nicht in voller Größe erkennen, trotz dem sie mich so bestimmt hat. Und die ich hier lange nur in einer Randnotiz oder in einem Nebensatz aufgegriffen habe, weil ich mich nicht getraut habe, mich vollkommen damit zu zeigen. Weil ich Angst hatte vor den Hatern (tatsächlich weiß ich nicht mal, obs hier welche gibt). Angst, nicht verstanden zu werden, weil mir so oft nicht geglaubt wurde und meine Gefühle dazu nicht anerkannt wurden. Doch heute ist der Tag, an dem ich es schwarz auf weiß aufschreibe, weil ich mich nicht länger hinter dieser Wunde verstecken will. Und weil ich Dir Mut machen möchte, wenn Du diese Wunde auch spürst. 

Die Mutterwunde

Die, die dafür sorgt dass man sich verloren fühlt. Die, die einsam macht. Die, die Abhängigkeiten zu Personen im nahen Umfeld erschafft. Die, die nach Liebe sucht. Nach Nähe. Nach Geborgenheit. Nach Sicherheit. Die, die so lange andere bemuttert, weil sie sich selbst nicht bemuttern kann (hier muss ich gerade einen tiefen Atemzug nehmen, bevor ich weitertippe). Bis sich langsam alles fügt. Und ganz ehrlich? Es war für mich ein langer Weg bis hierhin. 

Es hat mehrere professionelle Begleitungen unterschiedlicher Art, unzählige Kurse, Bücher, Podcasts und Puzzleteile die ich irgendwo aufgeschnappt habe gebraucht, um alles zu einem Bild zusammenzufügen. Und dann war es da, greifbar, dieses innere Rumpelstilzchen, was mich so lange gelockt und sich dann wieder versteckt hat. Heute weiß ich, dass ich den Weg mehr gebraucht habe als das Ziel, aber wie oft habe ich mich selbst in Frage gestellt? Ich kann es nicht mal mehr zählen… 

Ein Tornado zum Aufwachen

Um diese Mutterwunde zu greifen, hat es in diesem Jahr einen Tornado durch mein ganzes Leben gebraucht. Quasi wie eine längere Version von „dark night of the soul“. Außerdem ehrliche Worte von Menschen die ich sehr schätze und den richtigen Input von außen, den ich vorher nicht wertgeschätzt oder verstanden hätte. Ich hab all meine Beziehungsmuster hinterfragt, meine Geburt und die ersten Wochen danach aufgearbeitet, den Elefanten im Raum zwischen mir und meiner Mama endlich angeschaut, mehr über all die weiblichen Anteile in mir gelernt, und mich nochmal neu mit meiner Sprache der Liebe auseinandergesetzt. Ich durfte Frieden damit schließen, diese Mutterliebe so lange im Außen gesucht zu haben, in dem ich ein People Pleaser war (nicht, dass ich es komplett abgelegt hätte), bemutterte, Sicherheit suchte, nicht vollkommen für mich eingestanden bin aus der Angst heraus, nicht (mehr) geliebt zu werden. Ich durfte lernen, mir selbst eine gute Mutter zu sein – wohl eine der schwierigeren Aufgaben, wenn man keine Ahnung hat wie das geht und es einem an Vorbildern im privaten Umfeld fehlt. Und ich durfte mein Fundament neu ausrichten, Menschen vergeben, die diese ungeheilten Anteile in mir getriggert haben, mich von alten Versionen meiner Selbst als auch von allen Vorwürfen der Schuld lösen. 

Wie sagt man so schön? Wenn man sein Herz am meisten verschließen will, zwingt das Leben einen liebevoll dazu, es noch mehr zu öffnen. Und genau das ist passiert. Mein Herz ist so offen wie noch nie, meine Kapazität zu lieben hat sich vervielfacht, und ein tiefes Gefühl von Annahme hat sich eingeschlichen. Anteile haben ihren Platz gefunden. Ich zweifle nicht länger an meinen Gefühlen und Wahrnehmungen. Und was vielleicht am Wichtigsten ist: Es kontrolliert und definiert mich nicht länger – denn es ist ein Teil von mir geworden.

Die Mutterwunde im Zusammenhang von Körper, Geist und Seele

Ich habe seit meiner jüngsten Kindheit Heuschnupfen. In sehr ähnlicher Ausführung wie – meine Mama. 

Ich habe seit meiner Jugend immer wieder mittelschwere Symptome an meiner Haut, zuletzt überwiegend eine Röte und kleine Entzündungen im Gesicht und auf den Wangen. Sie sind ein Spiegel für etwas, das meine Mama nie verarbeitet hat, sodass ich energetisch und systemisch ihre Gefühle „zur Schau trage“ und gleichzeitig selbst das Bedürfnis hatte, eine Art „Maske“ zu tragen. Hautprobleme sind auch eine Möglichkeit, sich Menschen vom Leib zu halten, was einem ja ganz gelegen kommt, wenn man eigentlich eine riesige Angst hat, verletzt zu werden. Sie machen etwas sichtbar, obwohl man sich eben gleichzeitig lieber verstecken würde (mehr dazu besprechen wir auch im kommenden Workshop zum Thema Haut).

Das sind zwar unterschiedliche Symptome bzw. unterschiedliche Ursachen, aber sie zeigen deutlich wie ich Gemeinsamkeiten mit meiner Mama aufgebaut habe, um ein Gefühl von Nähe und Verbundenheit zu kreieren, was uns in unserer Beziehung häufiger gefehlt hat (zu dieser Dynamik gibt es sicher an anderer Stelle nochmal mehr). Hautprobleme beinhalten auch das Bedürfnis der Haut nach Nähe und Berührung. Es ist wohl keine große Überraschung, dass mir das auch lange gefehlt hat. Es zeigt aber auch, wie sich Themen durch die Familie tragen, bis sie aufgelöst werden (können/dürfen). Und es zeigt, dass nicht alle Symptome automatisch die Ursache in uns selbst haben – ein weiterer Punkt, warum ich diese Arbeit hier mache.

Wie alles beginnt

Ein Baby bekommt in der Schwangerschaft ALLES mit was die Mutter fühlt, erlebt, beschäftigt. Auch die Chakren, die energetischen Kraftwerke in uns, bilden sich bereits in der Schwangerschaft (und darüber hinaus – zu all dem wird es bald ein Webinar geben, vermutlich im September!). Nicht nur die Schwangerschaft, auch die Geburt selbst ist ein absolut prägendes Erlebnis für Mutter und Kind. Es ist der erste Kontakt mit unserer physischen Welt, und unser Eintritt in „das Leben“. All das sind Dinge, die häufig aber weniger Beachtung finden als hilfreich wäre. Wir können als Baby im Bauch als auch durch die Geburt Schlussfolgerungen bzw. Glaubenssätze über das Leben entwickeln, die uns lange Zeit prägen. Genauso entscheidend ist die Zeit nach der Geburt, wenn die Mutter im sogenannten Wochenbett ist. Diese ersten Erfahrungen und die ersten (körperlichen) Kontakte zur Mutter sind so so so wichtig für ein kleines Baby. Mit all diesen Dingen meine ich gar nichts „schlimmes“ wie zum Beispiel Misshandlung der Mutter oder des Babies, sondern Dinge, die unterbewusst ablaufen, weil wir alle unsere Prägungen haben. Es geht hier absolut nicht um eine Form von Schuld oder darum, Druck aufzubauen, sondern um Befreiung von unbewussten Mustern, die sich daraus entwickelt haben können. 

Bei meiner Geburt habe ich geschlussfolgert, dass der Preis für das Leben die Aufgabe von Nähe ist. Was das für ein Baby bedeutet und wie sich dieser Glaube durch das Leben zieht bzw. immer wieder „bewiesen“ werden will, kannst Du Dir sicherlich vorstellen. Ich hab sie immer gesucht und nie so wirklich gefunden – wie auch, wenn mein System glaubt, es gibt sie nicht, weil ich sie für den Weg ins Leben ja aufgegeben habe. Jetzt überrascht es wahrscheinlich niemanden, dass meine Sprache der Liebe „Zärtlichkeit“ ist – etwas, worüber viele sagen, dass die persönliche Sprache der Liebe die ist, die uns als Kind am meisten gefehlt hat. 

Emotionales Trauma

Ganz grundsätzlich ist es mir aber wichtig, hier auch nochmal auf die Beziehung zu meiner Mama und meinen Eltern generell einzugehen, genauso wie auf (emotionales) Trauma, was so oft nicht berücksichtigt wird und doch so allgegenwärtig ist. 

Meine Eltern haben mich nie schlecht behandelt, mich nie körperlich misshandelt oder missbraucht, ich hatte immer ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, saubere Kleidung, ein eigenes Zimmer, Taschengeld etc. Sie sind nicht getrennt oder geschieden und nehmen keine Drogen, sind nicht Alkoholabhängig und rauchen nicht mal. Es gibt von außen betrachtet keinen Grund, damit nicht „zufrieden“ zu sein oder an meiner Beziehung zu ihnen etwas auszusetzen. 

Trauma wird häufig definiert als emotionale Antwort auf ein traumatisches Ereignis, wie beispielsweise ein Unfall, Vergewaltigung oder eine Naturkatastrophe. Und das ist auch richtig so, aber es lässt eine Form von Trauma aus, die viele Menschen betrifft – gerade auch in Deutschland, verbunden mit unserer Geschichte, aber das ist ein Thema für einen anderen Zeitpunkt. Diese Form die ich meine ist eine emotionale, eine, die man nicht diesem EINEN Moment zuordnen kann, und deswegen auch Schwierigkeiten hat, sie zu „rechtfertigen“. Ein Auslöser für diese Form von Trauma kann sein, dass Eltern „emotionally unavailable“ sind, also emotional nicht greifbar, nicht verfügbar, sozusagen selbst mit ihrem Emotionen kämpfend. Es entsteht oft dadurch dass sie nie gelernt haben, sie gesund auszudrücken. Wer mit Eltern aufwächst, die dieses „Phänomen“ begleitet, wird daraus gewisse Schlussfolgerungen und Glaubenssätze entwickeln, die wir als Kind auf uns selbst zurückführen. „Ich bin nicht liebenswert“, „ich bin nicht genug“, „ich werde nicht gesehen“ sind nur einige davon – um genau zu sein einige, die ich daraus entwickelt habe. Diese sind nicht automatisch dieser Form von Trauma zuzuordnen, aber sie können eine Folge davon sein. Auch hier geht es NICHT um Schuld, sondern um Bewusstsein. Das meine ich auch wenn ich sage, dass unsere Eltern es oft nicht besser wussten, sie keinen Zugang zu den Möglichkeiten hatten, die wir heute haben, und das natürlich nicht mit mutwilliger Absicht gemacht haben. 

Meine Eltern lieben mich und das weiß ich, wusste es mit meinem Verstand immer. Doch für Kinder geht es nicht um Verstand, sondern um das Gefühl. Konnten meine Eltern ihre Liebe immer ausdrücken, vor allem so, dass ich sie gespürt habe? Schwierig. Wie bin ich damit umgegangen? Schwierig. Aber zu wissen, dass es diese weitere Form von Trauma gibt, und mein Verstand nicht länger nach Erklärungen oder Gründen suchen, geschweige denn sich rechtfertigen muss und darauf keine Antwort findet, hat mir ganz viel Schwere von den Schultern und meinem Herz genommen. Denn ich weiß mittlerweile, dass es okay ist, dass ich okay bin, und dass jeder, dem es genauso geht, damit nicht allein ist ❤ 

Wenn Du Dich für Deine Sprache der Liebe interessierst, kann ich Dir das dazugehörige Buch von Gary Chapman nur wärmstens empfehlen! 

Solltest Du das Bedürfnis haben, Deine Geburt oder die Deines Kindes aufarbeiten zu wollen, unterstütze ich Dich super gern dabei. Ich fühle Dich, ich sehe Dich, und ich begleite Dich so gern auf diesem Weg.

2 Kommentare zu „Die Urwunde

  1. Liebe Vanessa, vielen Dank für diesen neuen Beitrag und deine Email dazu. Es war sehr schön deine offenen Worte zu lesen und du hast es wundervoll geschrieben ♥️

    Ich hoffe es geht dir gut und mit deinen Plänen mit Canada hat alles geklappt 🍀

    Ganz liebe Grüße, Sabrina

    Von meinem iPhone gesendet

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    1. Oh ich danke Dir von Herzen für Deinen lieben Kommentar! Es bedeutet mir viel, dass diese Worte Dich so erreicht haben. Es geht mir gut und ich bin immer noch in Kanada, wenn auch mittlerweile allein 🙂 Liebste Grüße zu Dir!

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